Gefertigt aus Einhorn-Horn – eine Auswahl

Gefertigt aus Einhorn-Horn – eine Auswahl

Zusammen mit Florian von Forgotten Creatures sprachen wir in Folge 57 über die Geschichte des Einhorn, eines sagenumwobenden Fabelwesens, das bereits in einigen antiken Texten Erwähnung findet. Im Folgenden geben wir euch einige Hintergrundinformationen zu jenen Objekten, die aus dem Horn des Einhorns hergestellt wurden und von uns in der Folge Erwähnung fanden. Vorgestellt werden aber auch einige Artefakte, die in keinen Platz mehr in der Podcast-Folge gefunden haben. Seid also gespannt!

Ihr habt die Podcast-Folge noch nicht gehört? Kein Problem! Hier könnt ihr sie nachhören: Woher stammt das Einhorn? Geschichte eines Fabelwesens

Mehr historischen Content findet ihr auch auf unserer Facebook-Seite und auf Instagram.

 

Das Minne-Kästchen

Drastische Ironie: Das mittelalterliche Kästchen (1330–1350) zeigt nicht nur die erfolgreiche Jagd auf ein Einhorn, sondern wurde auch aus Elfenbein gefertigt – ob gewiefte Händler hier vielleicht sogar behauptet haben, dass das kunstfertige Stück aus dem Horn des gezeigten Fabelwesens gefertigt wurde?

Eindrucksvoll zeigt die Szenerie, was wir mit Florian von Forgotten Creatures auch schon im Podcast besprochen hatten: Das Einhorn fühlt sich von der Unschuld der Jungfrau angezogen, kommt in ihren Schoss und lässt sich an der Stirn tätscheln. Hinterrücks ersticht ein hinzukommender Mann schließlich das mythische Tier.

Die zweite Figurengruppe in der linken Bildhälfte zeigt hingegen eine Szene aus ‚Tristan und Isolde‘: Die beiden Liebenden treffen sich heimlich unter einem Baum; dabei werden sie jedoch von Marke, dem misstrauisch gewordenen Ehemann von Isolde, beobachtet, der sich in der Krone des Baumes versteckt hatte. Zum Glück für Tristan und seine Geliebte spiegelt sich Markes Antlitz in dem Gewässer am Fuße des Baumes, sodass sie seiner Anwesenheit gewahr werden und ihre Liebschaft nicht durch allzu offensichtliche Handlungen oder Äußerungen preisgeben.

Heute ist das gezeigte Kästchen im Walter Art Museum in Baltimore (USA) zu bestaunen.

Einhörner als Schoßhündchen

Die Mona Lisa mit einem Einhorn? Aufgrund der Ähnlichkeit mit dem weltberühmten Werk von Leonardo da Vinci vermuten einige Kunsthistoriker, dass sich Raffael bei der „Dame mit dem Einhorn“ (1505–1507) von der Mona Lisa hat inspirieren lassen. Interessant an dem Gemälde ist seine wechselvolle Geschichte: So war beispielsweise das Einhorn in der ursprünglichen Gestaltung eigentlich ein Schoßhündchen – was wohl auch die Größe des gezeigten Fabelwesens erklärt. Im 17. Jahrhundert wurde das Bild nochmal grundlegend überarbeitet; das Einhorn, ein Rad, ein Umhang und ein Palmwedel wurden übermalt. 1934 stellte man das Einhorn wieder her, entfernte das Rad endgültig und übertrug die Farbe des von Raffael auf Holz geschaffenen Kunstwerks auf eine Leinwand – unglaublich was doch bei so ‚fertig‘ wirkenden Gemälden möglich ist.

Das Einhorn-Schwert

Das Einhorn-Schwert. Was nach einem herausragenden Videospiel-Gegenstand klingt existierte wirklich: Die im Spätmittelalter entstandene Waffe mit einem Griff und einer Scheidenwand aus Ainkhürn (Einhorn-Horn) lässt sich über das Emblem des Feuereisens mit dem flammensprühenden Feuerstein am Knauf Philipp dem Guten zuweisen. Der Herzog von Burgund vermachte die Waffe seinem Erben Karl dem Kühnen, über den sie letztlich in den Besitz der Habsburger kam, weswegen sie bis heute im Kunsthistorischen Museum Wien zu bewundern ist. Das Schwert ist ein zeitgenössischer Ausdruck des Bedürfnisses, Gebrauchs- und Repräsentationsobjekte aus dem äußerst wertvollen und magischen Material herzustellen – entsprechend entstehen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit auch viele Trinkgefäße, Szepter und Bischofsstäbe aus Ainkhürn.

Um aber den Rollenspiel-Gedanken abschließend noch fortzusetzen: Kann man mit einer Einhorn-Waffe in der Hand eigentlich ernsthaft verwundet werden oder überwiegt die (zugeschriebene) heilende Wirkung? 😉

Bild: ©KHM-Museumsverband

Das Einhorn von Leibniz

Einhörner in der Zwergenhöhle. Florian von Forgotten Creatures berichtet in der aktuellen Podcast-Episode über die Höhle im Harz, in der man glaubte, die Überreste von Einhörnern gefunden zu haben. 1683 besuchte der berühmte Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz den Ort und notierte in seinen Texten unter anderem den lokalen Handel mit Einhorn-Artefakten.

Die berühmte Skizze von Leibniz, die seine Rekonstruktion eines Einhorns zeigt, basiert aber wohl eher auf Knochenfunden in Zeunickenberg bei Quedlinburg. Nichtsdestotrotz nutzt genannte Einhornhöhle die Zeichnung des Philosophen bis heute zu Marketingzwecken.

Ein Thron aus Einhörnern

Christian V. auf einem Haufen Einhörner – oder etwas sachlicher: Das von Michael von Haven angefertigte Bild zeigt den dänischen König Christian V., der von 1670 bis 1699 regierte, in einer allegorischen Darstellung auf dem berühmten dänischen Krönungsstuhl (detaillierter zu sehen auf Bild 2). Passend zum Thema der aktuellen Podcast-Episode wurde dieser ausschließlich aus Ainkhürn – also dem Horn von Einhörnern – gebaut. Natürlich handelt es sich auch hierbei um die Zähne von Narwalen, die teils in größeren Stücken verarbeitet und teils scheibenweise aufgeschnitten wurden, um dann weite Flächen des Krönungsstuhls zu bedecken.

Das Möbelstück symbolisiert eine Art letzten Höhepunkt des Einhorn-Glaubens zum Ende des 17. Jahrhunderts, bevor dieser im zunehmend aufgeklärten 18. Jahrhundert immer weiter an Bedeutung verlor. Christian V. starb nach 29 Jahren Herrschaft an den Folgen eines Jagdunfalls – da war die vermeintlich heilende Wirkung des Einhorns scheinbar schon verflogen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert